Balkonkraftwerk Ausrichtung 2026: Himmelsrichtung, Winkel, Schatten

Senkrecht am Südgeländer erreicht ein Balkonkraftwerk 69 % dessen, was dieselben Module mit 35° nach Süden bringen; nach Westen sind es 51 %, nach Osten 43 %. Schräg stellen lohnt mehr als die perfekte Himmelsrichtung.

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Was Himmelsrichtung und Neigung am Balkon ausmachen

Erzeugung 900 Wp (Bundesmittel)

485 kWh

im Vergleich zu 35° Süd51 %
selbst genutzt (2 500 kWh)337 kWh
Eigenverbrauchsanteil70 %
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Für die Ausrichtung eines Balkonkraftwerks zählen zwei Winkel: die Himmelsrichtung und die Neigung gegen die Waagerechte. Den Bestwert erreichen Module mit etwa 35° nach Süden, im Bundesmittel 949 kWh im Jahr für 900 Wp. Am Balkongeländer hängen sie aber meist senkrecht, und das kostet mehr als die Himmelsrichtung: Senkrecht nach Süden kommen 656 kWh zusammen (69 %), mit 70° Neigung schon 830 kWh. Senkrecht nach Westen sind es 485 kWh, nach Osten 410 kWh, nach Norden nur 174 kWh. Ost- und Westlagen holen beim Eigenverbrauch auf, weil Morgen- und Abendstrom eher im Haushalt landet: Nach Osten nutzt ein Haushalt mit 2 500 kWh 70 % der Erzeugung selbst, nach Süden 64 %. Schatten wirkt direkt: 20 Prozent Verschattung senken den senkrechten Südertrag auf 526 kWh. Alle Werte rechnet der Motor aus PVGIS-Daten und gemessenen Lastgängen.

Zwei Winkel bestimmen den Ertrag

Die Himmelsrichtung, auch Azimut genannt, gibt an, wohin die Moduloberfläche zeigt. Die Neigung beschreibt, wie steil sie steht: 0° liegt flach, 90° hängt senkrecht. Für Deutschland liegt das Optimum bei etwa 35° nach Süden. Der Motor dieser Seite liest für jede Kombination aus beiden Winkeln einen Faktor aus Abfragen bei PVGIS und rechnet damit den Jahresertrag. Das Raster unten zeigt das Ergebnis für 900 Wp im Bundesmittel, jeweils im Verhältnis zum Bestwert von 949 kWh.

900 Wp, 800 VA, Bundesmittel, Anteil am Bestwert 35° Süd in Klammern.
Richtung90° senkrecht70°35°15°
Süd656 kWh (69 %)830 kWh (87 %)949 kWh (100 %)900 kWh (95 %)
Südost571 kWh (60 %)729 kWh (77 %)866 kWh (91 %)857 kWh (90 %)
Südwest635 kWh (67 %)791 kWh (83 %)912 kWh (96 %)883 kWh (93 %)
Ost410 kWh (43 %)546 kWh (58 %)722 kWh (76 %)782 kWh (82 %)
West485 kWh (51 %)621 kWh (65 %)775 kWh (82 %)813 kWh (86 %)
Nord174 kWh (18 %)258 kWh (27 %)509 kWh (54 %)689 kWh (73 %)

Aus dem Raster lassen sich drei Regeln ablesen. Die Neigung wiegt am Balkon schwerer als die Richtung: Senkrecht nach Süden liegt unter 35° nach Westen (775 kWh). Je weiter die Module von Süden wegzeigen, desto flacher sollten sie stehen. Und Südost und Südwest unterscheiden sich vom reinen Süden nur um wenige Prozent.

Senkrecht am Geländer: der häufigste Fall

Die meisten Balkonkraftwerke hängen außen am Geländer, weil das ohne Bohren geht und keine Fläche kostet. Senkrechte Module verlieren vor allem im Sommer, wenn die Mittagssonne steil von oben kommt. Im Winter stehen sie fast optimal zur tiefen Sonne, und Schnee rutscht ab. Ein Aufsteller, der die Module unten etwas nach außen stellt, bringt bei 70° Neigung 830 statt 656 kWh. Ob das am Haus erlaubt ist, entscheidet nicht das Energierecht, sondern die Statik des Geländers, die Hausordnung und gegebenenfalls der Vermieter. Bei großer Modulleistung hat die senkrechte Montage einen Nebeneffekt: Der Wechselrichter muss seltener abregeln, wie der Ratgeber Balkonkraftwerk 800 Watt zeigt.

Ost und West: weniger Ertrag, mehr Eigenverbrauch

Haushalt mit 2 500 kWh, Lastgänge von 74 gemessenen Haushalten.
senkrecht nachErzeugungselbst genutztEigenverbrauchsanteil
Süd656 kWh420 kWh64 %
Ost410 kWh288 kWh70 %
West485 kWh337 kWh70 %
Nord174 kWh161 kWh92 %

Ein Ostbalkon erzeugt senkrecht 38 % weniger als ein Südbalkon, aber der Haushalt nutzt einen größeren Teil davon selbst, weil der Strom morgens kommt, wenn Kaffeemaschine und Licht laufen. Gerechnet ist das mit den Lastprofilen der HTW Berlin. Der Abstand bei der Ersparnis ist deshalb kleiner als beim Ertrag. Wer auf zwei Balkonseiten Platz hat, verteilt die Module auf Ost und West und schließt sie an getrennte Eingänge des Wechselrichters an. Die Logik für ganze Dächer beschreibt Photovoltaik Ost-West.

Schatten: der unterschätzte Faktor

900 Wp senkrecht nach Süden, Bundesmittel, 2 500 kWh.
VerschattungErzeugungErsparnis im Jahr
0 %656 kWh152 €
10 %591 kWh143 €
20 %526 kWh134 €
30 %460 kWh123 €

Typische Schattenwerfer am Balkon sind der Balkon im Stockwerk darüber, Trennwände zum Nachbarn, Bäume und gegenüberliegende Häuser. Ein Baum im Süden kostet im Sommer viel und im Winter wenig, wenn er das Laub verliert; ein Haus gegenüber dagegen nimmt vor allem im Winter die tiefe Sonne. Prüfen lässt sich das mit einem Blick zu verschiedenen Tageszeiten: Wo am Mittag Schatten fällt, verliert die Anlage am meisten. Wer Module an zwei Stellen montieren kann, setzt das stärker verschattete an einen eigenen Wechselrichtereingang.

So bestimmen Sie die Ausrichtung Ihres Balkons

Die Himmelsrichtung lässt sich ohne Werkzeug ermitteln. Ein Smartphone mit Kompass-App, an die Balkonbrüstung gelegt, zeigt die Richtung, in die der Balkon blickt. Wer keinen Kompass zur Hand hat, merkt sich, wann die Sonne frontal steht: gegen Mittag bei einem Südbalkon, am Vormittag bei Ost, am späten Nachmittag bei West. Kartendienste mit Luftbild helfen ebenfalls, weil Hausfassaden dort klar zu erkennen sind. Weicht der Balkon zwischen zwei Richtungen ab, etwa nach Südsüdwest, liegt der Ertrag zwischen den Zeilen des Rasters; der Mini-Rechner oben rechnet die Zwischenwerte Südost und Südwest.

Die Neigung ist am Geländer meist 90°. Bei Aufstellern steht der Winkel im Datenblatt; nachmessen lässt er sich mit einer Wasserwaagen-App. Für Flachdach und Terrasse gilt eine einfache Faustregel aus dem Raster: Je mehr Wind und je weniger Platz, desto flacher, denn zwischen 15° und 35° liegen nach Süden nur 5 % Unterschied.

Wie Deutschland seine Module ausrichtet

Im Marktstammdatenregister ist für jede Solareinheit die Hauptausrichtung eingetragen, für Dächer wie für Balkone. Laut öffentlicher Einheitenübersicht zeigen 45 % aller Einheiten nach Süden und 21 % nach Osten, Westen oder Ost-West. Am Balkon ist die Wahl meist vorgegeben; der Hebel liegt dann in der Neigung, im Schatten und darin, wann der Haushalt Strom braucht. Den Jahres- und Monatsertrag für Ihren Ort zeigt Balkonkraftwerk Ertrag, die Amortisation Lohnt sich ein Balkonkraftwerk?.

Was Leser fragen

Ost- oder Westbalkon: welcher bringt mehr Strom?

Im Bundesmittel der Westbalkon. Senkrecht erzeugen 900 Wp nach Westen 485 kWh, nach Osten 410 kWh im Jahr, weil Nachmittage seltener neblig sind als Vormittage. Für die Ersparnis zählt auch der Zeitpunkt: Abendstrom trifft auf Kochen und Fernsehen, Morgenstrom auf Kaffee und Homeoffice. Wer werktags erst abends heimkommt, ist mit Westen besser bedient.

Wie viel verliere ich, wenn die Module senkrecht am Geländer hängen?

Gegenüber 35° Neigung nach Süden etwa 31 %: 656 statt 949 kWh im Jahr bei 900 Wp. Der Verlust entsteht im Sommer, wenn die Sonne mittags hoch steht. Schon ein Aufsteller mit 70° holt einen großen Teil zurück, 830 kWh. Ob ein Ausstellwinkel am Geländer zulässig ist, regeln Hausordnung und Vermieter, nicht das Energierecht.

Lohnt sich ein Balkonkraftwerk am Nordbalkon überhaupt?

Selten. Senkrecht nach Norden erzeugen 900 Wp im Bundesmittel 174 kWh, 18 % des Bestwerts, fast nur aus diffusem Himmelslicht. Liegt flach eine Fläche frei, etwa ein Garagendach oder eine Terrasse, bringen 15° Neigung auch ohne Südblick 689 kWh, weil eine nahezu waagerechte Fläche den ganzen Himmel sieht.

Wie stark kostet Schatten vom Balkon darüber?

Im Modell wirkt Verschattung als Abschlag auf die Erzeugung. 10 Prozent Schatten senken 900 Wp senkrecht Süd von 656 auf 591 kWh, 30 Prozent auf 460 kWh. Ein Balkon darüber beschattet im Sommer mittags den oberen Rand; hängen Module in Reihe am selben Wechselrichtereingang, kann ein teilweise verschattetes Modul die anderen mitbremsen.

Welche Neigung ist für ein Balkonkraftwerk auf der Terrasse ideal?

Nach Süden rund 35°, im Bundesmittel 949 kWh für 900 Wp. Flacher geht wenig verloren: 15° bringen 900 kWh und sind windstabiler. Nach Osten oder Westen ist eine flache Neigung sogar besser als eine steile, 15° nach Osten erzeugen 782 kWh. Flache Aufständerung braucht Ballast gegen Wind.

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