Lohnt sich ein Balkonkraftwerk 2026? Die Rechnung in Jahren
Ein Set mit 900 Wp für 450 €, senkrecht nach Süden, spart einem Haushalt mit 2 500 kWh im Bundesmittel 152 € im Jahr und hat sich nach 3,0 Jahren bezahlt. An der Nordseite dauert es 7,7 Jahre.
Geprüft von Radif Partners · Redaktionsgrundsätze · So rechnen wir
Nach wie vielen Jahren sich Ihr Balkonkraftwerk bezahlt hat
Amortisation
3,0 Jahre
| Ersparnis im Jahr (900 Wp senkrecht Süd) | 152 € |
| Ersparnis in 20 Jahren | 3.041 € |
| Überschuss nach 20 Jahren | 2.591 € |
Ob sich ein Balkonkraftwerk lohnt, entscheidet eine einfache Division: Kaufpreis geteilt durch die jährliche Ersparnis. Die Ersparnis ist der Strom, den der Haushalt selbst verbraucht, mal dem eigenen Strompreis; der Überschuss geht ohne Vergütung ins Netz. Mit 900 Wp senkrecht am Südgeländer erzeugt ein Gerät im Bundesmittel 656 kWh, davon nutzt ein Haushalt mit 2 500 kWh Verbrauch 420 kWh selbst. Bei 36,2 ct/kWh sind das 152 € im Jahr, ein Set für 450 € ist nach 3,0 Jahren bezahlt, eines für 1.000 € nach 6,6 Jahren. Über 20 Jahre summiert sich die Ersparnis auf 3.041 €. Nicht lohnend wird es, wenn mehrere Nachteile zusammenkommen: Nach Osten, mit 40 Prozent Schatten und nur 1 000 kWh Verbrauch spart dasselbe Gerät 54 € im Jahr, ein Set für 700 € braucht dann 12,9 Jahre.
Die Formel hinter der Amortisation
Ein Balkonkraftwerk verdient kein Geld, es vermeidet Strombezug. Jede Kilowattstunde, die Kühlschrank, Router, Waschmaschine oder Homeoffice direkt vom Balkon nehmen, steht nicht auf der Rechnung. Der Rest fließt durch den Zähler ins Netz und bringt nichts, denn § 8 Abs. 5a EEG ordnet Steckersolargeräte der unentgeltlichen Abnahme zu. Die Ersparnis im Jahr ist also selbst genutzter Strom mal Strompreis, die Amortisation Kaufpreis geteilt durch Ersparnis. Wie viel ein Haushalt im Moment der Erzeugung verbraucht, simuliert der Motor mit gemessenen Lastgängen von 74 Haushalten der HTW Berlin, die Erzeugung kommt aus PVGIS, der Strompreis von 36,2 ct/kWh aus der Eurostat-Statistik für deutsche Haushalte.
Hebel eins: der Kaufpreis
| Kaufpreis | Ersparnis im Jahr | Amortisation | Überschuss nach 20 Jahren |
|---|---|---|---|
| 300 € | 152 € | 2,0 Jahre | 2.741 € |
| 450 € | 152 € | 3,0 Jahre | 2.591 € |
| 700 € | 152 € | 4,6 Jahre | 2.341 € |
| 1.000 € | 152 € | 6,6 Jahre | 2.041 € |
Der Preis wirkt linear: doppelter Preis, doppelte Wartezeit. Montagematerial gehört dazu, also Halterung, Kabel und gegebenenfalls eine Wieland-Steckdose vom Elektriker. Wer selbst montiert und eine einfache Geländerhalterung nutzt, bleibt meist in den ersten beiden Zeilen.
Hebel zwei: wann Sie Strom verbrauchen
Entscheidend ist nicht der Jahresverbrauch an sich, sondern was tagsüber läuft. Ein Haushalt mit 1 000 kWh nutzt vom selben Gerät 257 kWh, einer mit 2 500 kWh 420 kWh und einer mit 5 000 kWh 541 kWh. Wer tagsüber zu Hause arbeitet, die Spülmaschine mittags startet oder ein Aquarium betreibt, liegt eher oben. Wer werktags außer Haus ist, liegt eher unten; dann bringt eine Zeitschaltung für Waschmaschine und Trockner mehr als jedes zusätzliche Modul.
Hebel drei: Himmelsrichtung und Schatten
| Ausrichtung (senkrecht) | Erzeugung | Ersparnis | Amortisation bei 450 € |
|---|---|---|---|
| Süd | 656 kWh | 152 € | 3,0 Jahre |
| Südwest | 635 kWh | 147 € | 3,1 Jahre |
| Ost | 410 kWh | 104 € | 4,3 Jahre |
| West | 485 kWh | 122 € | 3,7 Jahre |
| Nord | 174 kWh | 58 € | 7,7 Jahre |
Süd und Südwest liegen fast gleichauf, Ost und West verlieren ein Drittel der Erzeugung, aber weniger an Ersparnis, weil Morgen- und Abendstrom öfter selbst verbraucht wird: nach Osten 104 € statt 152 €. Die Nordseite fällt deutlich ab. Schatten von Nachbarhaus, Baum oder dem Balkon darüber wirkt wie ein Abschlag auf die Erzeugung; die Ausrichtung im Detail rechnet Balkonkraftwerk Ausrichtung.
Hebel vier: der Strompreis über die Jahre
Bei konstantem Preis bringt das Beispielgerät in 20 Jahren 3.041 €. Steigt der Strompreis um 2 Prozent im Jahr, sind es 3.694 €. Umgekehrt verlängert ein günstiger Tarif die Amortisation: Wer 30 ct/kWh zahlt, wartet 3,6 Jahre, wer 45 ct/kWh zahlt, 2,4 Jahre.
Wann es sich nicht lohnt
Ein einzelner Nachteil reicht selten, um die Rechnung zu kippen. Kritisch wird es, wenn mehrere zusammenkommen: Ostbalkon, ein Baum davor, der 40 Prozent der Sonne nimmt, und ein Single-Haushalt, der tagsüber kaum Strom braucht. Dann spart ein Set für 700 € nur 54 € im Jahr und ist erst nach 12,9 Jahren bezahlt. Auch ein geplanter Umzug in eine Wohnung ohne Balkon verlängert die Rechnung; was dann gilt, steht unter Balkonkraftwerk für Mieter. Teure Speicherpakete lohnen sich nur, wenn sie lange genug halten; den Vergleich rechnet Balkonkraftwerk mit Speicher. Wer seinen Wohnort genau kennt, nutzt die Postleitzahl im Rechner, denn München erzeugt mit demselben Gerät 14 % mehr als Flensburg: 727 statt 635 kWh (Balkonkraftwerk Ertrag).
Was in der Rechnung fehlt
Die Amortisation oben beschreibt gute Bedingungen, sie ist keine Garantie. Drei Dinge rechnet sie nicht mit. Erstens altern Module: Ihre Leistung sinkt über die Jahre leicht, das verschiebt den Ausgleich bei kurzen Amortisationszeiten kaum, schmälert aber den Überschuss nach 20 Jahren. Zweitens hält ein Wechselrichter oft nicht so lange wie die Module. Muss er nach einigen Jahren für angenommen 200 € ersetzt werden, steigt der Gesamtpreis im Beispiel auf 650 €, und die Amortisation verlängert sich auf 4,3 Jahre. Drittens zählt die eigene Arbeit nicht: Montage, Anmeldung im Register und gelegentliches Abwischen der Module kosten Zeit, aber kein Geld.
Umgekehrt gibt es Effekte zu Ihren Gunsten, die ebenfalls nicht enthalten sind. Mit 2 Prozent Preissteigerung im Jahr ist der Kaufpreis im Beispiel in Jahr 3 wieder hereingeholt. Und wer Verbraucher bewusst in die Mittagsstunden legt, hebt den selbst genutzten Anteil über den Durchschnitt der gemessenen Haushalte.
So prüfen Sie Ihre eigene Rechnung
Nehmen Sie die letzte Jahresabrechnung: Dort stehen Verbrauch und Arbeitspreis in Cent je Kilowattstunde, ohne Grundpreis, denn den zahlen Sie weiter. Tragen Sie beides und den Preis des Angebots in den Mini-Rechner ein. Liegt das Ergebnis unter fünf Jahren, ist das Gerät in fast jedem denkbaren Fall ein gutes Geschäft. Zwischen fünf und zehn Jahren lohnt ein zweiter Blick auf Schatten und Montageort. Darüber hilft oft schon eine andere Stelle am Haus mehr als ein günstigeres Set.