Lohnt sich Photovoltaik 2026? Die Bilanz nach zwanzig Jahren

Eine 10-kWp-Anlage im Bundesmittel bringt in 20 Jahren 24.794 € ein. Unter 2.479 € je kWp Kaufpreis bleibt also ein Überschuss.

Geprüft von Radif Partners · Redaktionsgrundsätze · So rechnen wir

Ob sich Ihre Photovoltaikanlage rechnet

Amortisation

12,1 Jahre

Nutzen im Jahr1.240 €
davon Ersparnis / Vergütung574 € / 665 €
Eigenverbrauch15 %
Überschuss nach 20 Jahren9.794 €
Mit Postleitzahl und Speicher →

Ob sich Photovoltaik lohnt, entscheidet eine einzige Gegenüberstellung: der Kaufpreis gegen die Summe aus gesparter Stromrechnung und Einspeisevergütung über die 20 Jahre, in denen der Vergütungssatz fest ist. Im deutschen Mittel erzeugt eine 10-kWp-Anlage nach Süden mit 30° Neigung laut PVGIS 10.523 kWh im Jahr. Ein Haushalt mit 4 000 kWh Verbrauch nutzt davon 15 % selbst und spart bei 36,2 ct/kWh 574 €, der Rest bringt zum Satz von 7,70 ct/kWh weitere 665 €. Das sind 1.240 € im Jahr und 24.794 € in 20 Jahren, ohne jede Strompreissteigerung. Daraus folgt der Grenzpreis: Kostet die Anlage weniger als 2.479 € je kWp, bleibt am Ende Geld übrig. Bei angenommenen 1.500 € je kWp sind es 9.794 € Überschuss. In München steigt er auf 11.037 €, in Bremen sinkt er auf 8.734 €; mehr Verbrauch zählt stärker als der Standort.

Die eine Rechnung, auf die es ankommt

Eine Dachanlage verdient auf zwei Wegen Geld. Der größere Hebel ist der Strom, den das Haus selbst verbraucht: Jede solche Kilowattstunde muss nicht mehr zum Haushaltspreis gekauft werden, den Eurostat für das erste Halbjahr mit 36,2 ct ausweist. Der zweite Weg ist der Überschuss, den der Netzbetreiber zum festen Satz des Inbetriebnahme-Zeitraums vergütet, für Anlagen ab dem 1. August 2026 laut Bundesnetzagentur 7,70 ct/kWh bis 10 kWp. Beides zusammen ergibt den Jahresnutzen. Über 20 Jahre summiert und dem Kaufpreis gegenübergestellt, zeigt er, ob am Ende ein Plus steht.

Diese Seite rechnet konservativ: Der Strompreis bleibt über die ganze Laufzeit gleich, der Ertrag auch, und nach dem Ende der Vergütung wird nichts mehr angesetzt, obwohl Module meist länger laufen. Wer mit steigenden Preisen rechnen will, findet die Jahr-für-Jahr-Sicht unter Amortisation der Photovoltaik.

Der Grenzpreis: ab wann es kippt

Statt zu fragen, wie schnell sich eine bestimmte Anlage bezahlt macht, lässt sich umgekehrt fragen: Wie teuer darf sie höchstens sein? Im Bundesmittel bringt eine 10-kWp-Anlage bei 4 000 kWh Verbrauch 24.794 € in 20 Jahren. Geteilt durch die Leistung sind das 2.479 € je kWp. Liegt Ihr Angebot darunter, lohnt sich die Anlage rechnerisch schon ohne steigende Strompreise; liegt es darüber, nur wenn der Strom teurer wird oder der Verbrauch wächst. Diese Schwelle ist ehrlicher als jede Faustregel, weil sie nichts über Marktpreise voraussetzt: Sie vergleichen sie direkt mit der Summe auf Ihrem Angebot, geteilt durch die Kilowatt Peak.

Fünf Fälle im Vergleich

Süd 30°, Verbrauch 4 000 kWh wenn nicht anders angegeben, Strompreis 36,2 ct/kWh konstant, Kosten angenommen mit 1.500 € je kWp, Speicher mit 6.000 € zusätzlich. Ersetzen Sie diese Annahmen durch Ihr Angebot.
FallNutzen im JahrAmortisationÜberschuss nach 20 Jahren
Bundesmittel, 10 kWp1.240 €12,1 Jahre9.794 €
Bremen, 10 kWp1.187 €12,6 Jahre8.734 €
München, 10 kWp1.302 €11,5 Jahre11.037 €
6 000 kWh Verbrauch1.420 €10,6 Jahre13.399 €
5 kWp statt 10784 €9,6 Jahre8.171 €
mit 8 kWh Speicher1.714 €12,2 Jahre13.286 €

Drei Dinge fallen auf. Der Standort verschiebt das Ergebnis weniger, als oft vermutet wird: Zwischen Bremen und München liegen rund 14 % Ertrag, aber das Plus kommt fast nur aus der Einspeisung, die schlecht bezahlt ist. Der Verbrauch wirkt stärker, weil er den teuren Netzstrom ersetzt. Und der Speicher bringt im Jahr 475 € mehr; über 20 Jahre deckt das einen Speicherpreis bis 9.493 €. Mit den angenommenen 6.000 € verbessert er die Bilanz, bei einem teureren Angebot kehrt sich das um. Den genauen Ertrag für Ihre Postleitzahl liefert der Ertragsrechner nach PLZ, gestützt auf PVGIS.

Woran die Wirtschaftlichkeit scheitern kann

Verschattung und Dachzustand

Ein Schornstein, eine Gaube oder ein Nachbarbaum, der mittags Schatten wirft, kostet mehr Ertrag als jede Himmelsrichtung. Steht in den nächsten Jahren eine Dachsanierung an, gehört sie vor die Montage: Module ab- und wieder aufzubauen, frisst einen Teil des Überschusses.

Die 60-Prozent-Grenze ohne Smart Meter

Neue Anlagen unter 100 kW ohne intelligentes Messsystem dürfen nur 60 % ihrer Nennleistung einspeisen (§ 9 Abs. 2 EEG). Im Bundesmittel gehen der 10-kWp-Anlage so 294 kWh im Jahr verloren, 2,8 % des Ertrags. Mit Smart Meter entfällt die Grenze, dafür gibt es in Viertelstunden mit negativem Börsenpreis keine Vergütung (§ 51 EEG); der Jahresnutzen liegt dann bei 1.096 € statt 1.240 €. Mehr dazu unter Solarspitzengesetz.

Ein zu großer Rahmen für den eigenen Verbrauch

Der Eigenverbrauch stammt aus einer Simulation mit den Lastprofilen der HTW Berlin. Ein Haushalt, der tagsüber leer steht, nutzt weniger Solarstrom als der Durchschnitt; einer mit Homeoffice mehr. Wer unsicher ist, rechnet mit kleinerem Eigenverbrauch und schaut, ob die Bilanz dann noch trägt.

Laufende Kosten: Ihre eigene Annahme

Die Tabelle rechnet ohne Betriebskosten, weil sie von Haus zu Haus verschieden sind. Manche Gebäudeversicherung deckt die Anlage ohne Aufpreis, andere verlangt einen Zuschlag; der Messstellenbetreiber berechnet für den Zweirichtungszähler eine Jahresgebühr; und ein Wechselrichter hält oft nicht so lange wie die Module, sodass eine Rücklage für den Austausch vernünftig ist. Setzen Sie für all das einen Betrag im Jahr an, den Sie aus Ihren eigenen Unterlagen kennen. Zur Veranschaulichung: Mit angenommenen 150 € im Jahr schrumpft der Überschuss der 10-kWp-Anlage im Bundesmittel über 20 Jahre von 9.794 € auf 6.794 €. Der Grenzpreis sinkt entsprechend um 300 € je kWp.

Wer finanziert, zieht zusätzlich die Zinsen ab. Auch hier gilt: Der Zinssatz steht in Ihrem Kreditangebot, nicht in einer Tabelle. Eine Anlage, die sich bar knapp lohnt, kann mit Kredit ins Minus rutschen; eine mit großem Abstand zum Grenzpreis trägt auch einen Kredit.

Was danach kommt

Für Anlagen, die bis Ende 2026 in Betrieb gehen, gilt das EEG 2023 mit seinem festen Satz. Der Regierungsentwurf zum EEG 2027 ist noch nicht beschlossen; er würde die feste Vergütung für neue Anlagen umstellen, mehr unter Einspeisevergütung 2027. Den eigenen Fall mit Postleitzahl, Speicher und Smart Meter rechnet der Photovoltaik-Rechner, die Kostenseite zerlegt Photovoltaik-Kosten.

Was Leser fragen

Bis zu welchem Preis je kWp lohnt sich eine 10-kWp-Anlage?

Im Bundesmittel bis etwa 2.479 € je kWp. Bei diesem Preis decken 20 Jahre Nutzen, also 24.794 € bei 4 000 kWh Verbrauch und unverändertem Strompreis von 36,2 ct/kWh, genau den Kaufpreis. Jeder Euro darunter ist Überschuss. Steigt der Strompreis, verschiebt sich die Grenze nach oben; fällt er, nach unten.

Lohnt sich Photovoltaik in Norddeutschland weniger als in Bayern?

Etwas. Dieselbe 10-kWp-Anlage erzeugt in Bremen 9.892 kWh, in München 11.284 kWh. Bei angenommenen 15.000 € Kaufpreis hat sie sich in Bremen nach 12,6 Jahren bezahlt, in München nach 11,5 Jahren. Der Abstand ist kleiner als der zwischen zwei Haushalten mit unterschiedlichem Verbrauch.

Lohnt sich Photovoltaik mit Wärmepumpe oder E-Auto eher?

Ja, weil mehr Strom im Haus bleibt. Steigt der Verbrauch von 4 000 auf 6 000 kWh, wächst der Überschuss der 10-kWp-Anlage nach 20 Jahren von 9.794 € auf 13.399 €, die Amortisation sinkt auf 10,6 Jahre. Jede selbst genutzte Kilowattstunde ersetzt Netzstrom zu 36,2 ct statt 7,70 ct/kWh Vergütung zu bringen.

Rechnet sich eine kleine 5-kWp-Anlage besser als 10 kWp?

Bei gleichem Preis je kWp amortisiert sie sich schneller: 9,6 statt 12,1 Jahre, weil 26 % des Stroms im Haus bleiben. Der Überschuss nach 20 Jahren ist mit 8.171 € aber kleiner als die 9.794 € der größeren Anlage. In der Praxis kosten kleine Anlagen je kWp oft mehr; das kippt den Vorteil.

Macht ein Speicher die Photovoltaik rentabler?

Nur, wenn er günstig genug ist. Mit 8 kWh Speicher steigt der Eigenverbrauch der 10-kWp-Anlage auf 31 % und der Nutzen auf 1.714 € im Jahr. Kostet der Speicher angenommene 6.000 € zusätzlich, bleibt nach 20 Jahren ein Überschuss von 13.286 € statt 9.794 €. Der Mehrnutzen deckt über 20 Jahre höchstens 9.493 € Speicherpreis; teurer darf er nicht sein.

Lohnt sich eine Photovoltaikanlage noch, wenn die Vergütung jedes Halbjahr sinkt?

Ja, der Effekt ist klein. Nach § 49 EEG sinkt der Satz für neue Anlagen alle sechs Monate um 1 %, von 7,70 ct/kWh auf rund 7,62 ct/kWh. Für die 10-kWp-Anlage mit 8.642 kWh Einspeisung kostet ein halbes Jahr Warten über 20 Jahre nur etwa 133 €. Ein günstigeres Angebot wiegt das schnell auf.

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