Photovoltaik auf dem Ost-West-Dach 2026: was die Lage kostet

Ein Ost-West-Dach mit 30° Neigung erzeugt 81 % dessen, was dieselbe Anlage nach Süden bringt. Je flacher das Dach, desto kleiner der Abstand: bei 10° sind es 92 %.

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Süddach oder Ost-West-Dach: Ertrag und Eigenverbrauch

Ost-West im Vergleich zu Süd

81 %

Ertrag Süd / Ost-West10.523 kWh / 8.479 kWh
Eigenverbrauch Süd / Ost-West15 % / 18 %
Nutzen im Jahr Süd / Ost-West1.240 € / 1.086 €
Mit Ihrer Postleitzahl →

Ein Satteldach, dessen Flächen nach Osten und Westen zeigen, bekommt morgens Sonne auf die eine und nachmittags auf die andere Hälfte. Mittags trifft das Licht beide Flächen schräg. Deshalb erzeugt eine 10-kWp-Anlage, je zur Hälfte nach Ost und West belegt, im deutschen Mittel laut PVGIS bei 30° Neigung 8.479 kWh im Jahr, nach Süden wären es 10.523 kWh. Der Rückstand hängt stark von der Neigung ab: Bei 10° liegt Ost-West bei 92 % des Süd-Ertrags, bei 45° nur bei 76 %. Zwei Effekte mildern den Abstand im Geldbeutel. Die Erzeugung verteilt sich gleichmäßiger über den Tag, sodass der Eigenverbrauchsanteil von 15 % auf 18 % steigt. Und die Spitze am Mittag ist flacher, sodass die 60-Prozent-Grenze für Neuanlagen ohne Smart Meter nur 85 statt 294 kWh kostet. Unter dem Strich bringt Ost-West bei 4 000 kWh Verbrauch 1.086 € im Jahr, Süd 1.240 €.

Zwei Dachhälften statt einer Hauptrichtung

Ein Süddach bündelt den Ertrag in den Mittagsstunden. Ein Ost-West-Dach teilt ihn: Die Ostfläche liefert vom Sonnenaufgang bis in den späten Vormittag, die Westfläche vom frühen Nachmittag bis zum Abend. Um zwölf Uhr treffen die Strahlen beide Flächen schräg, deshalb fehlt dem Tag die hohe Spitze. Für die Jahressumme ist das ein Nachteil, für den Haushalt nicht unbedingt: Gefrühstückt, gekocht und gewaschen wird eher morgens und abends als um die Mittagszeit.

Die Zahlen auf dieser Seite stammen aus PVGIS für das deutsche Mittel. Eine Ost-West-Anlage wird je zur Hälfte als Ost- und als Westfläche gerechnet, der Eigenverbrauch aus einer Viertelstunden-Simulation mit den Lastprofilen der HTW Berlin. Den Wert für Ihren Ort liefert der Ertrag nach Postleitzahl.

Die Neigung entscheidet über den Rückstand

10 kWp im Bundesmittel, 4 000 kWh Verbrauch, ohne Speicher.
NeigungSüdOst-WestOst-West in % von SüdEigenverbrauch Süd / Ost-West
10°9.768 kWh8.971 kWh92 %16 % / 18 %
15°10.012 kWh8.862 kWh89 %16 % / 18 %
20°10.256 kWh8.754 kWh85 %15 % / 18 %
30°10.523 kWh8.479 kWh81 %15 % / 18 %
45°10.451 kWh7.907 kWh76 %15 % / 19 %

Bei Süd ist die Neigung von 30° nahe am Optimum, steiler oder flacher verliert wenig. Bei Ost-West wirkt die Neigung dagegen fast linear: Jeder Grad mehr dreht die Flächen weiter von der Mittagssonne weg. Das erklärt, warum auf Flachdächern Ost-West-Aufständerungen mit geringer Neigung verbreitet sind. Sie verschatten sich gegenseitig kaum und lassen sich dicht an dicht setzen, sodass mehr Leistung auf dieselbe Fläche passt als bei steil nach Süden gestellten Reihen mit großen Abständen.

Wo Ost-West aufholt

Die 60-Prozent-Grenze greift seltener

Für neue Anlagen ohne Smart Meter begrenzt § 9 Abs. 2 EEG die Einspeisung auf 60 % der Nennleistung. Ein Süddach überschreitet diese Linie an klaren Sommertagen über Stunden, ein Ost-West-Dach erreicht sie wegen seiner flachen Kurve nur selten. Bei 30° und 10 kWp verliert die Südanlage 294 kWh im Jahr, die Ost-West-Anlage 85 kWh. Damit ist Ost-West ausgerechnet die Lage, die von der neuen Regel am wenigsten betroffen ist; mehr dazu unter Solarspitzengesetz.

Ein höherer Anteil im Haus

Der Eigenverbrauchsanteil steigt bei 30° von 15,1 % auf 18,2 %. In Kilowattstunden bleibt der Gewinn allerdings aus: 1.543 gegen 1.586 kWh. Der Anteil steigt, weil der Nenner, der Gesamtertrag, kleiner ist. Eingespeist werden 6.852 statt 8.642 kWh, und dort entsteht der eigentliche Unterschied im Nutzen, zum Satz der Bundesnetzagentur.

Mit Speicher

Ein 8-kWh-Speicher hebt den Eigenverbrauch der Ost-West-Anlage auf 35,8 %, bei Süd auf 30,9 %. Der Speicher füllt sich bei Süd mittags schneller und hat dann mehr Strom für den Abend; deshalb bleibt der Nutzen nach Süden höher, 1.714 € gegen 1.511 € im Jahr. Wie groß ein Speicher sein sollte, beantwortet Stromspeicher-Größe.

Ost-West mit Smart Meter

Wer ein intelligentes Messsystem einbauen lässt, ist die 60-Prozent-Grenze los, bekommt aber in Viertelstunden mit negativem Börsenpreis keine Vergütung. Im Rechenmodell kostet das die Südanlage 166 € im Jahr, die Ost-West-Anlage 129 €; der Jahresnutzen liegt dann bei 1.096 € gegen 964 €. Das Modell setzt für beide Lagen denselben Anteil negativer Stunden an der Einspeisung an. Weil negative Preise vor allem an sonnigen Mittagen auftreten, wenn ein Süddach am meisten liefert, dürfte der Nachteil für Ost-West in Wirklichkeit eher kleiner ausfallen als hier gerechnet. Für die Wahl zwischen Smart Meter und Grenze ist das ein Argument mehr, auf einem Ost-West-Dach ohne Smart Meter zu bleiben: Die Grenze kostet dort kaum etwas.

Mehr Module als Ausgleich

Ost-West belegt oft beide Dachhälften, ein Süddach nur eine. Wer zwei kWp mehr unterbringt, kommt mit 12 kWp Ost-West auf 10.175 kWh und damit fast an die 10.523 kWh von 10 kWp Süd heran. Der Mehrertrag geht aber überwiegend ins Netz, und für den Teil über 10 kWp ist der Satz niedriger, im Mittel 7,53 ct/kWh für die ganze Anlage. Bei angenommenen 1.500 € je kWp bringt das 1.213 € im Jahr und eine Amortisation nach 14,8 Jahren. Ob sich das lohnt, hängt vor allem davon ab, wie günstig die zusätzlichen Module im Angebot sind; die passende Größe rechnet wie viel kWp.

Reines Ost- oder Westdach

Nicht jedes Haus hat zwei nutzbare Hälften. Steht nur eine Fläche zur Verfügung, ist West im Bundesmittel leicht im Vorteil: 8.739 kWh gegen 8.220 kWh nach Osten. Für eine Haushaltskurve mit Abendspitze passt West ohnehin besser. Für Balkonkraftwerke an senkrechten Geländern gelten andere Werte, siehe Ausrichtung des Balkonkraftwerks. Ihr Dach mit genauer Neigung und Postleitzahl rechnet der Photovoltaik-Rechner.

Was Leser fragen

Wie viel weniger Ertrag bringt ein Ost-West-Dach mit 30° Neigung?

Im Bundesmittel etwa 19 % weniger als nach Süden: 8.479 statt 10.523 kWh im Jahr bei 10 kWp, gerechnet mit PVGIS. Im Geld ist der Abstand kleiner, 1.086 € gegen 1.240 € bei 4 000 kWh Verbrauch, weil ein höherer Anteil im Haus genutzt wird und weniger an der 60-Prozent-Grenze verloren geht.

Bringt eine Ost-West-Anlage wirklich mehr Eigenverbrauch?

Prozentual ja, absolut kaum. Der Anteil steigt bei 10 kWp und 4 000 kWh Verbrauch von 15 % auf 18 %. Weil Ost-West insgesamt weniger erzeugt, nutzt der Haushalt aber 1.543 kWh selbst, gegenüber 1.586 kWh beim Süddach. Der Vorteil liegt in der gleichmäßigeren Kurve, nicht in mehr gespartem Netzstrom.

Ist auf einem flachen Ost-West-Dach der Verlust kleiner?

Ja, deutlich. Bei 10° Neigung erreicht die Ost-West-Anlage 92 % des Süd-Ertrags, 8.971 gegen 9.768 kWh, bei 45° nur 76 %. Auf einem flachen Dach sehen beide Flächen mittags fast dieselbe Sonne wie eine Südfläche. Deshalb werden Flachdächer oft flach in Ost-West-Richtung aufgeständert.

Gleichen zwei zusätzliche kWp auf Ost-West den Süd-Ertrag aus?

Beim Ertrag fast: 10.175 kWh mit 12 kWp Ost-West gegen 10.523 kWh mit 10 kWp Süd. Im Nutzen nicht ganz, 1.213 € gegen 1.240 € im Jahr, weil der Mehrertrag größtenteils eingespeist wird und der Satz über 10 kWp sinkt. Bei angenommenen 1.500 € je kWp amortisiert sich die größere Anlage nach 14,8 statt 12,1 Jahren.

Ist ein reines Westdach besser als ein reines Ostdach?

Etwas. Mit 30° Neigung erzeugt eine 10-kWp-Anlage nach Westen im Bundesmittel 8.739 kWh, nach Osten 8.220 kWh; der Nutzen liegt bei 1.114 € gegen 1.057 €. Ein möglicher Grund: Morgendunst und Frühnebel dämpfen die Ostseite öfter als die Westseite am Nachmittag. Für Ihren Ort kann das anders ausfallen, PVGIS rechnet es nach Postleitzahl.

Lohnt sich ein Smart Meter auf einem Ost-West-Dach?

Meist nicht. Ohne Smart Meter verliert die 10-kWp-Anlage mit 30° Neigung an der 60-Prozent-Grenze nur 85 kWh im Jahr. Mit Smart Meter entfällt die Grenze, dafür fehlen nach dem Rechenmodell 129 € Vergütung in Stunden mit negativem Preis. Der Jahresnutzen sinkt so von 1.086 € auf 964 €, bei 4 000 kWh Verbrauch im Bundesmittel.

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